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Von Lockdown-Müdigkeit und Ostern

„Ostern, das haben wir uns verdient.“

Damit wirbt eine große Supermarktkette inklusive eigens neu aufgenommenen Song. Na dann können wir uns alle mal auf die Schulter klopfen.Warum wir uns das allerdings verdient haben und wie, bleibt offen.

Haben wir uns denn Ostern verdient? Vielleicht indem wir letztes Jahr Weihnachten „gerettet“ haben? Oder weil wir nun schon seit einem Jahr die Corona-Pandemie ertragen?

Bei den meisten ist wohl der anfängliche Tatendrang aus dem ersten Lockdown mittlerweile eher der Frustration gewichen. Ich sehe in meinem Freundeskreis kaum noch Bilder von selbstgebackenem Bananenbrot und Co. Wie viele von Ihren Lockdown-Ausweich-Hobbys sind noch erhalten geblieben? Und was mag Jesus wohl in den drei Tagen gemacht haben, bis zur Auferstehung? Ja klar, wie wir im Glaubensbekenntnis ja immer mitsprechen, war er wohl im Reich des Todes, aber die ganzen drei Tage? In einer dunkeln Höhle und ganz allein. Fühlen Sie sich nicht hin und wieder auch so in diesen Zeiten?

Natürlich wir sitzen im besten Falle in unseren Wohnungen und Häusern mit jede Menge Beschäftigungsmitteln, aber irgendwie hat das zumindest für mich langsam den Reiz verloren. Es ist immer schwerer sich neu für etwas zu begeistert oder an altem dranzubleiben.

Ich komme mir orientierungslos vor, weil ich genauso wie kein anderer Mensch weiß, wie lange es noch so weitergehen wird. Ich bin verzweifelt, weil diese Situation langsam an meinen Nerven zerrt, und will mir gar nicht ausmalen, wie das bei Homeschooling oder in Existenzängsten wäre. Ich bin müde, immer wieder Alternativen suchen zu müssen für Geburtstagsfeiern, Gottesdienste und anderes.

Zu langsames Impfen, Mutationen und steigende Zahlen scheinen uns immer wieder zurückzuwerfen.

„Ostern- das haben wir uns verdient.“

Verzweifelt und orientierungslos müssen damals auch die Menschen gewesen sein, die Jesus nachgefolgt sind. Die Menschen, die ihre Familien und ihre Heimat verlassen haben um diesem Mann ihr Leben zu widmen. Wir wissen ja heutzutage, wie die Geschichte ausgehen wird und müssen nicht 3 Tage in völliger Ungewissheit verharren.

Der Lebensmittelpunkt der Jünger:innen war weg. Was nun? Bestimmt gab es einige Diskussionen darum, ob Jesus den nun wirklich auferstehen wird, wie er es mal vorhergesagt hatte, oder es sich beim ihm doch nur um einen Hochstapler gehandelt hatte, der zwar einige interessante Zaubertricks draufhatte, aber nun mal nicht wirklich wie Gottes Sohn auch den Tod besiegen konnte.

Diese Unwissenheit kann ich zumindest in diesem Jahr noch einmal besonders nachvollziehen und auch die Verzweiflung. Zwar änderte sich das Leben letztes Jahr nicht unbedingt von ein auf den anderen Tag, sondern meist bannten sich Lockerungen und Verschärfungen ein bisschen an. Und trotzdem stehe ich nach einem Jahr immer noch mit jede Menge Unwissenheit dar und kann mir noch nicht ganz vorstellen, wie der Rest des Jahres werden wird.

In Mitten diese Situation laufen die Frauen, die den Auferstandenen schon getroffen haben. „Er ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden.“ Stille. Ich stelle mir vor, dass einer der Jünger:innen noch einmal nachfragt: „Was?“ Und wieder wird geantwortet: „Er ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden!“

„Ostern, das haben wir uns verdient.“

Und wie haben sich die Jünger:innen damals das Osterfest verdient? Natürlich, sie sind Jesus nachgefolgt. Aber schaut man sich die Geschichten in den Evangelien einmal im Überblick an, dann erscheinen die Jünger:innen nicht als Vorzeigeschüler:innen. Judas verrät Jesus. Petrus verleugnet ihn nach der Verhandlung. Und auch die restlichen Jünger:innen sparen in den Geschichten nicht mit Skepsis und Misstrauen. Die Geschichte von Gott und den Menschen ist durchzogen von Murren, Zorn, Zweifel und Fehlern, die die Menschen begehen.

Die Frage bleibt also: „WIE haben wir uns Ostern denn nun plötzlich verdient?“

Und meine Antwort darauf lautet: „Gar nicht.“

Wir KÖNNEN uns Gottes Liebe und das ewige Leben nicht verdienen und vor allem MÜSSEN wir es nicht. Gott ist kein Gott der Ferne, kein Gott der Starken, kein Gott nur für Optimisten. Gott ist ein Gott der Menschen. Er möchte mitten in die Dunkelheit unserer Verzweiflung kommen. Mitten in unser müde sein und unser Unwissen, was in der nächsten Zeit kommen mag.

Gott ist ein Gott der Liebe, der uns liebt und annimmt wie wir sind. Ob wir es uns verdient haben oder nicht.

Die ganze Situation nun so ins hier und jetzt zu übertragen, dass gleich die Kirchentür auffliegen wird und jemand hereinrufen wird: „Die Pandemie ist vorbei. Sie ist wahrhaftig vorbei.“ Wäre natürlich viel zu naiv. Aber wir dürfen unsere Verzweiflung, unser einsam sein und alle anderen Teile unserer Dunkelheit in Gottes Licht legen. Wir dürfen uns immer bewusst sein, dass bei aller Dunkelheit auch Licht bei uns ist. Denn Jesus ist eben nicht mehr im Grab, sondern auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!

Wir haben uns Ostern also nicht verdienät- aber wir bekommen es trotzdem geschenkt.

Amen.

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