img_0577

Predigtkasten Weihnachtsedition

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. 2Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. 3Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt.

Na, kommen Ihnen diese Worte bekannt vor? Können sie vielleicht sogar ein paar Sätze davon mitsprechen? Jedes Jahr am Heiligen Abend werden diese Verse in den meisten Gottesdiensten gelesen oder in einem Krippenspiel vorgeführt. Jedes Jahr, auch dieses Jahr haben wir sie in der Lesung gehört. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber für mich, war es irgendwann immer so, dass ich sie abgenickt habe. Lukasevangelium Kapitel 2, ja halt die Weihnachtsgeschichte, wie Gott Mensch wird. Jedes Jahr sind es doch dieselben Worte mit der derselben Bedeutung. Dieselben hoffnungsvollen Zeilen, die seit fast  2000 Jahren immer noch soviele Menschen weltweit berühren.

Auch dieses Jahr, obwohl wir ja ein anderes, komisches und besonderes Weihnachten. Das Weihnachten 2020… Das habe ich in den letzten Wochen pausenlos gehört, gelesen oder selber gesagt.

Aber wenn ich so genau darüber nachdenke, war Weihnachten denn nicht schon immer komisch, anders und besonders? Ein Kaiser möchte, dass alle in ihre Heimatstadt bzw. In die Heimatstadt ihres Anvertrauten gehen, um sich schätzen zu lassen. Also macht sich Joseph mit Maria, die ein Kind in sich trägt, was nicht von Joseph ist, sondern vom heiligen Geist, ebenfalls auf den Weg. Für mich zumindest klingt das auch nicht gerade nach einer ganz normalen Lebenssituation. Weil sie keinen Platz in einer Herberge finden, muss Maria ihr Kind in einem Stall zur Welt bringen…ja, damals waren Hausgeburten wohl häufiger als heutzutage, aber in einem Stall zwischen Tieren und inmitten von Stroh, weg von zu Hause…ich kann mir kaum vorstellen, dass Maria sich so die Geburt ihres Kindes oder Gottes Sohn vorgestellt hat. Und dann wären da noch die Hirten, die angelaufen kommen, weil sie von Engeln benachrichtigt werden und die drei Weisen, die einem Stern folgen.

Diese Geschichte hat zumindest für mich alle Anzeichen von komisch, anders und besonders. Und trotzdem macht es die Geschichte ja nicht wenig schöner oder mindert ihre Bedeutung.

„Fürchte euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“

Nur weil Ereignisse komisch und anders wirken, sind sie meist nicht nur besonders, sondern gerade auch besonders schön. Es kommt auf die Betrachtungsweise an. Natürlich würde ich gerne heute mit Ihnen zusammen Gottesdienst feiern, egal ob draußen oder in der Kirche, aber ich hoffe, dass Sie trotzdem ein schönes Weihnachten haben. Nutzen Sie die vielfältigen Wege um in dieser Zeit Nähe zu suchen, rufen Sie ihre Lieben an und machen Sie es sich selbst besonders schön an diesem Weihnachten 2020. Weihnachten ist schon immer ein komisches, anderes, aber besonderes Fest gewesen, denn wäre ist das nicht, dann würden wir wohl heute kaum wie jedes Jahr über die Weihnachtsgeschichte aus Lukas 2 sprechen. Dann könnten nicht gewiss sein, dass Gott die Nähe zu uns in seinem Sohn Jesus Christus gesucht hat. Weihnachten 2020 ist wie jedes Weihnachten ein komisches, anderes und besonderes, aber auch schönes Weihnachten.

Amen.

Kommentar verfassen