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Welt-Aids-Tag 2020

HIV ist doch bei uns hier kein Thema mehr…HIV bekommen doch nur Drogenabhängige, Sexarbeiter:innen und Homosexuelle. Wieso also noch immer den 1.12 als Welt-Aids-Tag bedenken? Man kann sich doch bei so vielen Stellen testen lassen und sogar selbst zuhause. Wieso also immer noch diesen Tag bedenken?

Ca. 10.800 Menschen lebten Ende 2019 in Deutschland mit HIV, ohne davon zu wissen, viele bereits seit Jahren. Ende 2019 lebten rund 90.700 Menschen mit HIV in Deutschland. Dabei nahmen die Neuinfektionen nicht etwa bei Männern, die Sex mit Männern haben zu, vielmehr sank hier die Zahl der Neuinfektionen. Vor allem die Infektion auf heterosexuellem Weg, wie das RKI in seinem Statistikpapier am 26.11.2020 veröffentlichte, hatte einen Anstieg. Für mich persönliche keine Überraschung, da vor allem HIV kaum eine Rolle bei der sexuellen Aufklärung spielt. Sobald die Frage: „Nimmst du die Pille?“ mit „Ja“ beantwortet wird, kann auf ein Kondom verzichtet werden. Zumindest ist das eine weit verbreitete Meinung. Bei mir und vielen meiner Freund:innen scheint die Angst eine Geschlechtskrankheit zu bekommen, hinter der Angst vor der Schwangerschaft zu stehen.

Aber die fehlende Aufklärung ist nur eins der vielen Probleme. Durch Corona wurden Testaktionen abgesagt oder aus Unsicherheit weniger besucht. Dabei sind Prävention und eine frühe Diagnose die wichtigsten Punkte im Kampf mit steigenden Neuinfektionszahlen. Denn je früher eine HIV-Infektion medikamentös behandelt wird, desto besser lässt sich die Gesundheit erhalten. Zugleich ist HIV unter Therapie nicht mehr übertragbar. Wer also die Diagnose hat und sich medikamentös therapieren lässt, ist nicht geheilt, kann aber ein ganz „normales“ Leben führen. Weder die Übertragung beim Sex oder der Geburt eines Kindes ist dann möglich. Wer keine Möglichkeit hat sich in seiner näheren Umgebung testen zu lassen, kann auch einen Selbsttest zuhause machen oder an einem Einsendetest teilnehmen.
Auch Menschen ohne Aufenthaltspapiere und ohne Krankenversicherung müssen einen unkomplizierten Zugang zu medizinischer Versorgung bekommen, damit auch ihr die Zahl der Neuinfektionen gesenkt werden kann.
Und dann gibt es da ja auch noch die PrEP. Die PrEP ist eine Safer-Sex-Methode, bei der HIV-Negative ein HIV-Medikament einnehmen, um sich vor einer Ansteckung mit HIV zu schützen. Dieses Medikament wird erstens allerdings nur von bestimmten Ärzt:innen verschrieben und auch nur für Menschen mit einem erhöhten HIV-Risiko. Nur dann wird sie von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Vor allem in kleineren Städten und ländlichen Regionen gibt es teilweise aber keine Möglichkeit sich die PrEP verschreiben zu lassen.
Auch wenn die Neuinfektionsrate also nicht mehr so hoch ist wie in den 80er, ist es auch dieses Jahr wieder wichtig auf den 1.12 als Welt-Aids-Tag aufmerksam zu machen. Das diesjährige Motto des Welt-Aids-Tags ist Leben mit HIV- anders als du denkst. Auf der Internetseite www.welt-aids-tag.de erzählen verschiedene Menschen in Interviews über ihr Leben mit HIV. Dejan, 22, aus Essen zum Beispiel sagt: „Mein Problem ist das Aufstehen vor der Frühschicht-nicht HIV“ und Johanna sagt: „Unser Problem ist die Hausarbeit- nicht HIV“.
HIV ist also kein Todesurteil mehr und schränkt unter Therapie auch das Leben nicht mehr ein.

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