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Predigtkasten Folge 05- Von nicen Lichtern und Maskenball in der Kirche

Ei Gude, wie? Wo machst da hie?“

Das haben vielleicht einige von ihnen noch verstanden. Aber wie ist es mit:

(Genesis-Holyge Bimbel von Shahak Shapira)

Ich selbst, muss zugeben, dass ich noch nichtmal so ganz folgen könnte, wenn nicht wüsste, dass es sich hierbei um die Schöpfungsgeschichte handelt. Dieses kleine Büchlein ist eine Bibelübersetzung von Shahak Shapira. Einige Bibeltexte übersetzt in die heutige Jugendsprache. Vielleicht kennt auch jemand von euch den Vorläufer dieses Buches „Die Volxbibel“. Doch die Jugendsprache wandelt sich so schnell, dass es wohl schon komplett veraltet ist.

Die Bibel ein Buch- aber soviele Übersetzungen. Ob auf hessisch, bayrisch, italienisch, englisch, koreanisch und vielem mehr. Ich selbst, habe einen gewissen Tick, was die Sammlung von Bibelexemplaren angeht. Meine Sammlung besteht aus 18 verschiedenen Bibelübersetzungen und Aufmachungen. Kinderbibeln, zwei Lutherbibeln und so weiter. Ich habe ein paar mal mitgebracht und hier vorne hingelegt…

Aber wozu so viele verschiedene? Verschiedene Sprachen, okay, das ergibt ja noch Sinn, aber Dialekte?

In meinem Studium habe ich schon die eine oder andere Textstelle aus dem Hebräischen oder Altgriechischen übersetzen müssen. Mal gelang mir das mehr, mal weniger. Aber in keinem Fall war diese „wörtliche“ Übersetzung ein wirklich richtiges Deutsch. Bei diesen Übersetzungen ging es nicht ums schön anhören, sondern um grammatikalische Wendungen. Daraus lässt sich meistens schließen: Dieses Buch ist nicht aus einem Guss. Der Text ist gewachsen. Hier und da ein paar Änderungen, oder sogar Erklärungen für eine nachfolgende Generation. Das erklärt ja aber immernoch nicht die Fülle alleine an deutschen Bibelübersetzungen.

Auch im Alltag passen wir unsere Sprache an. Mit der Nachbar*in oder guten Freund*in sprechen wir anders als mit der Chef*in. Manche Witze funktionieren sogar nur im Dialekt oder auf einer anderen Sprache. Auch in unserem Predigttext geht es heute um das Thema Sprache. Jesus ist zum Himmel aufgefahren. Die Jünger sind wieder alleine. Hilflos…

Die Dinge, die sie mit Jesus erlebt hatten,  anderen klarzumachen und zu erzählen…das stelle ich mir schwierig vor. Dabei war doch genau das ihr Auftrag. Jesus Geschichte an andere weitergeben und Gottes Wort verkündigen in der ganzen Welt und unter allen Völkern.

Aber wie?

Damals gab es noch keine Onlinelernvideos für Sprachen oder Lehrbücher um in wenigen Wochen Italienisch zu können. Und selbst wenn sie die Sprache konnten, wie sollte man Worte finden für das, was ihnen da wiederfahren war?

Vielleicht auch eine Situation, die wir kennen. Sprachlos sein.

Sprachlos machen können uns viele Dinge…Freude, Wut, Trauer, Glück, Angst… Vielleicht sogar diese Zeit gerade, in der sovieles ganz anders ist, als sonst. Gesichtsmasken nehmen uns die Mimik in Gesprächen. Lächelst du gerade? Distanz kann uns sprachlos machen. Nicht nur wenn mal wieder das Mikrofon in der Videokonferenz stummgeschaltet ist, oder irgendein technisches Problem den Ton ausfallen lässt. Gerade die Menschen in Altenheimen oder Krankenhäusern waren wohl in den letzten Wochen in vielen Momenten sprachlos. Kein Besuch der Kinder oder Enkelkinder. Keine Gespräche mehr mit Freunden und Freundinnen. Und selbst wenn man einen Gesprächspartner oder eine Gesprächspartnerin hatte, worüber sollte man denn noch reden? Ja, wir haben ja das Wohnzimmer jetzt tapeziert, hast du gesehen, was da wieder vor dem Supermarkt los war?, Was wo hast du denn das Klopapier herbekommen. Viele von uns leben ja auch gerade durch sozialen Kontakt zu anderen. Durch diesen Lockdown gab es keine zufälligen Treffen mehr auf der Straße oder die netten Gespräche im Stammlokal. Keine ausgelassenen Abend mit der Tanzgruppe. Und auch keine gemeinsamen Gottesdienste mehr in der Kirche.

Bevor nun aber gleich wieder auf der Regierung, den Wissenschaftler*innen oder irgendjemandem rumgehackt wird, möchte ich kurz festhalten. Lieber schränke ich mich eine Zeit ein, als das ich dafür verantwortlich bin, dass andere Menschen krank werden und sterben. Ich habe lieber eine todsterbenste Langeweile, als wirklich einen Tod zu sterben. Ich möchte aber festhalten. Wahrscheinlich hatten wir und haben auch immernoch Momente, in denen wir uns hilflos fühlen. Hilflos, verlassen und sprachlos, ähnlich wie die Jünger damals. Unsere Geschichte endet aber nicht in dieser Hilflosigkeit, denn es passiert das Pfingstwunder.

Die Jünger beginnen jeder in einer anderen Sprache zu sprechen. Sie treten raus vor die Tür und plötzlich kann jeder Mensch, die Botschaft Gottes hören. Jeder Mensch in seiner Sprache, jeder Mensch, so dass er sie verstehen kann. Und auch das passierte für mich in vielen Bereichen in der letzten Zeit. Gottesdienste konnten Online abgerufen werden, oder die Predigten wurden ausgedruckt und verteilt. Sportgruppen fanden über Videokonferenzen statt. Einige soziale Kontakte, die längst eingeschlafen waren, wurden wieder aufgenommen. Manche Dinge angegangen, für die nie Zeit war.

Ich will diese Zeit damit auch nicht schön reden oder sie so wirken lassen- ähnlich wie bei den Bibelübersetzungen, denke ich mir, dass nicht jedes Mittel oder jede Übersetzung für jeden Menschen passt. Ich gehe auch lieber in die Kirche und verbringe einen Gottesdienst in Gemeinschaft, anstatt vor einem Bildschirm, aber es ist auch eine Chance Menschen zu erreichen, die man sonst nicht erreicht.

Ohne Pfingsten und den heiligen Geist, der die Jünger sprachfähig machte, säßen wir hier heute nicht. Ohne Pfingsten und den heiligen Geist, wäre die Geschichte Jesu, vielleicht nie weiter verbreitet und erhalten worden.

Aber der Heilige Geist bringt noch etwas mit, was wir in dieser Zeit und in manch anderen Zeiten des Lebens häufiger gebrauchen können-
In der Lesung sagt Jesus zu seinen Jüngern:
„Aber der Tröster, der Heilige Geist, dden mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und erinnern, was ich euch gesagt habe.“

Ein persönlicher Tröster für jeden von uns und in jedem von uns. Die gute Freundin, die dann doch anruft, als ob sie wüsste, dass man gerade verzweifelt. Ein Sonnenstrahl, der durch die Regenwolken bricht. Alles das, was uns ein Lächeln ins Gesicht zaubert, egal ob mit Maske oder zuhause ohne.

Das ist Pfingsten für mich. Ein neuer Weg die Hoffnung zu verbreiten, die Jesus und schenkt. Ein neuer Weg von Gemeinschaft damals wie heute. Ein Trost in allen schweren Zeiten. Das alles ist Pfingsten für mich.

Amen

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