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Predigtkasten Folge 4- Ostern fällt aus

Bibeltext: 1.Korinther 15, 12-19

Ostern fällt dieses Jahr aus…
Ich weiß nicht, wie oft ich in den letzten Wochen diesen Satz gehört habe…
Und auch ich habe irgendwann mal spaßeshalber zu meiner Mama gesagt:
“Ostern fällt aus, weil alle zuhause bleiben müssen und eine Ausgangssperre auch für Jesus Grabhöhle gilt.”
Mein Osterfest sah die letzten Jahre auch nicht wirklich anders aus als jetzt. Bis auf meinen Osternachtsgottesdienst, den ich gemeinsam mit einem Prädikanten aus meiner Praktikumsgemeinde oder besser gesagt zweiten Heimatgemeinde organisiert habe. Natürlich wurde der Gottesdienst aufgrund der Coronasituation dieses Jahr abgesagt. Allerdings werde ich genauso wie jedes Jahr am Ostersonntag mit meinen Eltern und meinem Bruder frühstücken.

Ich dachte bis zum heutigen Abend des Ostersamstag noch: “So anders wird sich das bestimmt nicht anfühlen.”

Und dann läuteten um zwanzig vor zehn heute Abend die Glocken in unserer Stadt. Das Ostergeläut….Währenddessen saß ich gemeinsam mit meinem Bruder auf der Terrasse und quatschte ein wenig mit ihm. Und in diesem Moment hat mich dann doch ein ziemlich deprimierendes Gefühl gepackt. Hierzu muss man wissen, dass für mich der schönste Moment eines jeden Ostergottesdienstes ist, wenn  alle Lichter der Kirche wieder angeschaltet wurden und sich gegenseitig zugespricht: “Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja.”
Ob es nur ein Hände schütteln oder eine Umarmung ist, in diesem Moment wird aus einer Gemeinde eine Gemeinschaft.

Und heute? Heute schrieb ich dem Pfarrer meiner Heimatgemeinde per Whatsapp : “Der Herr ist auferstanden.” Und bekam die Antwort: “Er ist wahrhaftig auferstanden.” Aber das löste kein Osterglücksgefühl in mir aus, sondern eher eine Osterdepression.

Fällt Ostern also doch aus in diesem Jahr bzw. fällt Ostern aus, weil es gerade nicht in meine persönliche Situation passt… Im Predigttext, der im 15. Kapitel des ersten Korintherbriefes steht, schreibt Paulus sinngemäß: Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, dann ist Jesus auch nicht auferstanden und umgekehrt. 

Wenn also Ostern dieses Jahr ausfällt, nur weil ich es nicht, wie die letzten Jahre verbringen kann, muss es dann nicht jedes Jahr ausfallen? Bleibt Jesus in seiner Grabhöhle, weil es mir halt einfach nicht in den Kram passt? Wenn ich diese hoffnungsvolle Siegesbotschaft nicht hören will, dann ist sie auch nicht wahr?

Ich deute die Worte von Paulus etwas anders. Für mich spricht er hier davon, dass ich nicht einerseits sagen kann, Christus ist auferstanden und andererseits, alle anderen Toten bleiben aber tot. Genauso wie, die Toten erstehen auf, aber Christus nicht. Weil Christus Mensch geworden ist, wie wir, und den Tod überwunden hat, können wir darauf hoffen, dass nach dem Tod noch etwas kommt und nicht alles vorbei ist. Denn das ist die zentrale Botschaft des christlichen Glaubens. Das Grab ist leer. Der Lebende ist nicht bei den Toten. Er ist auferstanden. Und auch dieses Jahr wieder. Wenn weder der Tod Jesus aufhalten kann, dann auch nicht die Coronakrise. Die Hoffnung lässt sich nicht aufhalten.

Und genau das ist für mich die Botschaft, die gerade dieses Jahr umso wichtiger ist. Natürlich ist vieles anders und fühlt sich nicht vertraut an. Eltern, die ihre Kinder nicht sehen können. Enkel*innen, die ihre Großeltern nicht sehen können. Ob aufgrund der Coronakrise oder weil diese Menschen, vielleicht nicht mehr unter uns sind. Menschen, die alleine sind und niemanden mehr haben, können nicht einmal im Gottesdienst Gemeinschaft mit anderen Menschen finden.
Gerne, würde ich jetzt eine Patentlösung vortragen, wie sich das Osterfest dennoch vollkommen normal anfühlen kann, aber das wäre kompletter Schwachsinn.

Aber da was ich gerne mitgeben möchte ist, dass Ostern trotzdem nicht ausfällt. Gott lässt sich nicht vom Tod oder der Dunkelheit stoppen, sondern er überwindet beides. Das Licht bricht durch die Dunkelheit. Und genau das was uns durch Jesu Auferstehung geschenkt wurde, brauchen wir gerade in diesen Tagen umso mehr: HOFFNUNG.

Die Hoffnung darauf, dass auch wenn wir in diesen Tagen und Wochen nicht alle unsere Lieblingsmenschen sehen, wir dennoch mit ihnen verbunden bleiben.

Die Hoffnung darauf, dass aus dieser Zeit auch gute Dinge erwachsen, sich neue Chancen ergeben und vielleicht auch neue Blickwinkel in unserem Leben.

Und schlussendlich genauso wie jedes Ostern, die Hoffnung, dass nach dem Tod nicht alles vorbei ist, weil Gott auf die Welt kommt, durch den Tod geht und aufersteht, weil selbst der Tod keine Macht über ihn hat.

Vielleicht fällt also das gemeinsame Osterfrühstück oder Festessen weg, aber die Botschaft ist genauso wahr, wie immer.

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