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Predigkasten Folge 1

„Denn wir haben hier keine Bleibende Stadt, sondern die Zukünftige suchen wir.“ Hebräer 13,14 (Luther 2017)

Kiste für Kiste…Ich packe alles in Kisten um sie dann bald in der neuen Wohnung auszupacken…Meine Kleider, meine Socken, meine Schuhe und meine Hüte…Meine Bücher, Unimitschriften, alte Predigten und alle Fotos…

In wie viele Kisten passt mein Leben? 30,40 oder doch über hundert?

Jeden Gegenstand den ich besitze, nehme ich in die Hand und verstaue ihn sicher in einer Kiste. Aber da sind soviele Dinge, die ich nicht in Kisten stecken kann… Meine Freunde, meine Erinnerungen. Alles was mich ausmacht an Erfahrungen und mich zu dem Menschen gemacht hat, der ich jetzt bin, passt in keine Kiste.

Ständig verändert sich in meinem Leben und auf dieser Welt irgendetwas… Ständig verändere ich mich und werde zu einer neuen Person… Mit 17 habe ich noch auf den Moment hingefiebert endlich aus meiner Heimatstadt herauszukommen. Herauszukommen aus meiner Kindheit und Jugend, herauszukommen aus der Rolle, die ich schon 17 Jahre lang ausgearbeitet und gespielt habe. Etwas neues entdecken und mal eine andere sein.

Und dann ein paar Wochen bevor es dann endlich soweit sein sollte…. Da wollte ich die bleiben, die ich bin. Da wollte ich in meiner kleinen Welt und inmitten meines behüteten Elternhauses verweilen. Dann wurde ich eine neue…von der Schülerin zur Studentin und von der Tochter von der und dem zu Mäx. Wäsche waschen, kochen, studieren und nebenbei noch ein vollkommen neues Umfeld kennenlernen…seltsam…hier und da auch etwas stressig… An jedem Wochenende Heimaturlaub wieder erholen in der alten Rolle, die ich 18 Jahre schon kannte. Wieder zur Tochter von dem und der werden. Wir haben hier keine bleibende Stadt, die zukünftige suchen wir.

Nicht nur das hier und jetzt anschauen, sondern auch darauf hoffen, was die Zukunft bringt. Gerade in dieser Zeit zwischen Isolation und unbekanntem Morgen, ist die Hoffnung wohl mein höchstes Gut. Vielleicht muss der Urlaub im August doch nicht gecancelt werden. Vielleicht finden die Hochzeiten im Mai doch statt. Vielleicht kann man im Sommer doch wieder auf die Straße gehen und für Vielfalt und Menschenrechte auf den Christopher-Street-Days demonstrieren.

Wir haben hier keine bleibende Stadt, die zukünftige suchen wir.

Diese Worte klingen aber auch nach einer Aufforderung jetzt im Hier und jetzt alles stehen zu lassen. Mir doch egal zu denken und nur auf das Paradies und Gottes Reich zu hoffen. Aber das Reich Gottes soll doch auch schon mitten unter uns sein. Genau dieser Widerspruch ist es, der uns hoffen lässt und trotzdem am Reich Gottes bauen lässt. Vielleicht ist die zukünftige Stadt nicht erst nach unserem Grab betretbar, sondern schon vorher genau hier im Leben aufgebaut. Deswegen gilt es in Zeiten von Corona nicht nur auf eine Zukunft zu hoffen, sondern auch im Hier und Jetzt solidarisch zu sein. Alten zu helfen, Junge zu ermuntern, neue Wege zu entdecken.

Es gilt gerade jetzt das Fastenmotto der EKD „7 Wochen ohne Pessimismus“ umzusetzen Statt immer nur den Blick darauf zu richten, was alles nicht geht, gilt es zu sehen, was man auch jetzt noch alles machen kann. Endlich mal Abende ohne schlechtes Gewissen mit Netflix und Co. verbringen, per Video und Telefon mit Freunden und Familie verbunden zu bleiben.

Wir haben hier keine bleibende Stadt, die zukünftige suchen wir.

Es wird sich ständig alles verändern…ob Städte, Räume oder Menschen. Aber es gibt Dinge, die uns Christ*innen immer bleiben. Die Hoffnung auf das Reich Gottes, die Verbundenheit mit Gott im Gebet und Gottes Zusage, die uns in allen Zeiten gilt. Das Ja, dass weder durch ein Nein von unserer Seite aus seinen Wert verliert. Das Ja, dass sich von keiner Veränderung erschüttern lässt. Das Ja, dass zumindest Gott immer zu uns steht. Amen.

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