Gut und Böse erkennen

Predigt zu Genesis 3

2 Menschen in mitten eines Gartens. Eine Regel, die sie befolgen sollen, nur eine einzige. Weder vom Baum des Lebens noch vom Baum der Erkenntnis zu essen. Was klingt, wie eine neue Show bei RTL, ist die Geschichte unseres Predigttextes heute. Schnell erzählt und wahrscheinlich auch eine der bekanntesten Geschichten aus der Bibel. Wie es ausgeht? Durch die Schlange in Versuchung gebracht, essen beide Menschen vom Baum der Erkenntnis und werden daraufhin aus dem Paradies verbannt. So kamen gleich mehrere Dinge in die Welt unter anderem aber die Sünde und das Erkennen von Gut und Böse.

Von klein auf lernen wir, was gute Taten sind und welche Taten böse sind. Es fällt uns meistens auch nicht schwer einzuordnen, was zu welcher Seite gehört. Stehlen ist böse. Schenken ist gut. Alles, was Menschen hilft und sie glücklich macht, ist gut und alles, was sie verletzt oder traurig macht, ist schlecht. Alles also super einfach oder?

Wenn ich mir die derzeitige Lage, aber auch die Geschichte der Menschheit anschaue dann sehe ich aber eher das Gegenteil.Kriege, Mord und Totschlag. Schüsse auf eine Synagoge in Halle, ein Schüsse in Shishabars in Hanau, und ein Auto, welches direkt in einen Rosenmontagsumzug in Volkmarsen gelenkt wird. Wenn wir, Menschen doch eigentlich wissen, was gut und was böse ist, warum entscheiden wir uns dann trotzdem so oft für das böse? Rassismus, Homophobie, Transphobie kurzum Menschenfeindlichkeit steigt nicht nur bei uns in Deutschland, sondern überall auf der Welt.

Da fällt es gar nicht so leicht optimistisch zu sein und den Pessimismus für 40 Tage hinter sich zu lassen, wozu die EKD bei der diesjährigen Fastenaktion einlädt. Nicht pessimistisch sein. Dabei will ich persönlich bei der derzeitigen Lage nur mit dem Kopf schütteln. Ich möchte die Nachrichten schon gar nicht mehr anschauen, denn wenn ich gar nicht erst versuche zu erkennen, was gut und böse ist, dann fällt mir doch im ersten Moment einiges wesentlich leichter. Ich wohne allein in einer Wohnung, studiere, habe genug zu essen und eigentlich mangelt es mir an nichts. Wenn ich mich also nur auf meine Grundbedürfnisse konzentrieren könnte, dann könnte ich mich zurücklehnen und einfach in meinem Paradies weiterleben. Doch dann meldet sich bei mir meistens schon mein Gerechtigkeitsgefühl. Wieso kann dieses Leben nicht jeder Mensch haben, warum gibt es Menschen in meinem Umfeld, die jedes Semester wieder zittern müssen, ob sie den Semesterbeitrag zusammenbekommen. Wieso finden so viele Menschen in unserem Land keine bezahlbare Wohnung? Wenn ich dann also weiter überlege, dann komm ich irgendwann wieder zu der Frage, warum wir Menschen, wenn wir doch erkennen sollten, was gut und böse sind, trotzdem immer wieder böses tun und uns gegen das Gute entscheiden. Wieso benutzen wir die Erkenntnis von Gut und Böse nicht immer? Und wieso meistens falsch?

Wenn wir doch in der Lage sind zu unterscheiden, was gut und böse ist, warum passieren dann Taten wie Halle, Hanau, Volkmarsen und die ganzen vielen anderen? Und ich würde mich jetzt gerne hierhin stellen und sagen: Gott richtet das schon und Gott ist da. Aber das würde ich persönlich nur für eine faule Ausrede und eine pfäffische Floskel halten. Und nun? Feierabend. Amen. Aus und fertig? Wir werfen einfach unsere Erkenntnis wieder über Bord und ziehen uns zurück in unser persönliches Paradies? Nein. Denn so leicht gebe ich mich nicht geschlagen. Denn ich persönlich glaube, dass mit dieser Erkenntnis noch mehr in diese Welt kam als Sünde und die Unterscheidung zwischen Gut und Böse.

SOLIDARITÄT Denn auch wenn so vieles schlechtes passiert, gibt es da auch immer noch etwas gutes zu erkennen. Dass sich überall nach den Schüssen in Hanau Menschen versammeln gegen Rassismus und rechten Terror. Dass sich immer mehr Menschen gegen Hass und Hetze engagieren und für andere eintreten. Das zeigt mir persönlich, dass ich nicht nur das Böse erkennen darf, sondern auch das Gute erkennen muss. Denn schon immer brauchte es mutige Menschen, die sich zusammenschlossen um für das Gute und die Menschlichkeit zu kämpfen. Menschen, die sich nicht im Pessimismus eingeigelt haben, sondern noch Hoffnung gefunden haben. Ich würde gerne eine einfachere Lösung präsentieren und sagen, dass das alles schon wieder besser wird. Wir nur abwarten müssen. Aber das wäre gelogen. Ich persönlich denke, dass wir alle gefragt sind in dieser Zeit uns gegenseitig solidarisch miteinander hinzustellen und gegen den Hass und die Hetze aufzustehen.

Und dann brauche ich mich auch nicht mehr in meinem hoffnungslosen Pessimismus zu verrennen, dass alles ja sowieso schon verloren ist und dass ich nur mit dem Kopfschütteln kann.

Die Welt ist niemals nur böse und niemals nur gut. Wichtig ist es, aber beides erkennen zu wollen.

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