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Gott liebt euch, ihr K*ckbr*tzen

Warum studiere ich überhaupt Theologie? Wegen der guten Stellenaussichten später, dem hohen Ansehen in der Dorfhackordnung oder der guten Bezahlung mit eigenem Pfarrhaus? Wegen den flexiblen Arbeitszeiten, den Schnittchen auf Geburtstagsbesuchen und der Möglichkeit bis ganz nach oben aufzusteigen? Ja, das spielt sicherlich auch in meine Überlegung mit hinein.

Aber viel wichtiger, weil es genau um das geht, was mich begeistert: Menschen. Vielleicht sollte man hier zunächst Gott nennen und den Glauben, aber das alles hängt für mich zusammen. Den Glauben kann ich doch nur finden, wenn es Menschen gibt, die mir Gott näherbringen und mit einer Gemeinde , die mir ein Stück weit auch eine Heimat ist. Aber leider ist das alles nicht selbstverständlich in unseren Kirchengemeinden. Ich, selbst, wurde nicht besonders christlich und kirchennah erzogen. Traditionell ging es Weihnachten und Ostern in die Kirche. Hin und wieder zum Familiengottesdienst und mit Oma in die Kirche. Und die einzige Kindergruppe in meiner Kleinstadt für Grundschüler, außer der Schulbetreuung war nun mal eine kirchliche. Da stand für mich das Basteln aber an einer höheren Stelle,als die schönen Geschichten am Anfang.

Spätestens in der 5.Klasse, aber hörte jegliche Interaktion mit Kirche, außerhalb von Weihnachten und Ostern auf. Wer gibt denn freiwillig zu, dass man gläubig ist ? Das ist ja sowas von uncool. Ich wollte einfach nur noch irgendwo dazugehören und nicht in die Lage kommen, fertiggemacht  zu werden. Meinen Platz fand ich dann zunächst in der Handballmannschaft. So hatte es der Rest meiner Familie ja auch gemacht. Sporthallen waren mir aus der frühen Kindheit bekannt und auch die Spielzusammenhänge waren kein Problem.Meine Eltern sollten stolz auf mich sein. Aber so wirklich Spaß hatte ich da dann auch irgendwie nicht dran. Tja, und dann kam der Konfiunterricht.

Und mit dem Konfiunterricht kamen die Menschen, die mich begeisterten. In der Theatergruppe der Kirchengemeinde fand ich nun endlich meinen Platz. Meine neue Heimat wurde die Gemeinde, denn dort gab es immer was zu tun und man war nie falsch. Man müsste sich plötzlich nicht mehr verbiegen und unsere Gemeindepädagogin traute einem was zu. Außerdem schätzte sie die Arbeit wert,die man tat.

Genau das ist mein Anspruch an mich selbst als spätere Pfarrerin. Jeder Mensch sollte wertgeschätzt werden, egal wie gut oder schlecht man mit ihm klarkommt. Natürlich wird man es als Mensch niemals schaffen alle Anderen gleich gut zu finden, aber meine Gemeinde soll später einmal allen eine Heimat sein, ganz ohne Wertung und Hass. Ich versuche Gottesdienste zu gestalten, bei denen jeder etwas mitnehmen kann egal wie gläubig oder skeptisch. Ich kann meinen Glauben vorleben ,aber niemandem aufdoktrinieren. Glaube ist etwas freiwilliges. Und glaube schenkt einem, meiner Meinung nach, die Freiheit, die man benötigt um man selbst zu sein. Mein Grundsatz ist, dass jede Mensch allen Vorran erstmal Mensch ist und das kann und darf ich niemandem absprechen. Und da gehen mein Engagement für Queere Menschen und die Kirche Hand in Hand. In diesem Sinne, Gott liebt euch, ihr K*ckbr*tzen!

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