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Aufstehen und Einstehen

Wenn ich Menschen erzähle, dass ich Christin bin und evangelische Theologie auf Pfarramt studiere, reagieren die meisten Leute irritiert. Wenn ich dann aber auch noch über meine Bisexualität spreche, dann sind die meisten Leute komplett überfordert.
Einige andere Christ*innen, weil sie nicht verstehen, wie ich meine sexuelle Orientierung mit meinem Glauben vereinen kann. Und einige queere* Menschen, weil sie nicht verstehen, wie ich für eine Institution arbeiten kann, die in der Vergangenheit maßgeblich zu Unterdrückung queerer Menschen beigetragen hat.

Es kostet Kraft trotzdem keine der beiden Seiten zu verleugnen und auszublenden, denn beide machen mich aus. Deswegen ist es für mich wichtig für beide Dinge aufzustehen und einzustehen.

Am 22.April beschloss der Europarat mit einer überwältigenden Mehrheit, auch mit den Stimmen der Bundesregierung, eine wegweisende Resolution gegen die Diskriminierung von Trans*menschen. Am 25.Mai diesen Jahres beschloss die Weltgesundheitsorganisation WHO, dass diese Menschen nicht mehr als psychisch krank gelten.
Doch der erste Entwurf für eine Reform des Transexuellengesetzes in Deutschland ist ernüchternd. Ganz neu ist hierbei der Punkt, dass die geehlichten Menschen der Antragstellenden befragt werden sollen. Wie eine solche Befragung aussehen soll und wie die Aussagen gewichtet werden sollen, steht in dem Entwurf nicht. Außerdem kann bei einer Ablehnung des Antrags erst nach 3 Jahren ein erneuter Antrag gestellt werden.

Als Reaktion auf diesen Entwurf wurde eine Petition ins Leben gerufen, die in wenigen Tagen von 25.000 Menschen unterschrieben wurde. Dadurch wurde die Umsetzung dieses Entwurfs zunächst gestoppt. Weil Menschen aufgestanden sind und für ihre Sache gekämpft haben.
Unverändert gibt es für die Personenstandänderung große Hindernisse: Gutachten, bürokratische Hürden und hohe Kosten. Dazu kommen gesellschaftliche Faktoren, wie Ablehnung, Ausgrenzung und Ängste. All dies hindert Menschen daran, selbstbestimmt und frei leben zu können.

Es gilt hier aufzustehen und für unsere Selbstbestimmung einzustehen.

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