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Stadt der Liebe

Ich blickte nach unten, auf den grauen Asphalt, auf die Lichter der Stadt der Liebe. Paris. Ich konnte den Eiffelturm sehen, doch während die Liebenden dort strahlten, stand ich auf einem grauen Hochhausdach. Einsam, traurig, enttäuscht. Ich hatte ihn doch geliebt. Ich hatte ihn gewollt…aber er, er hatte mich nur benutzt um an SIE zu kommen. Ich blickte wieder nach unten. Tränen liefen meine Wangen herunter.
Plötzlich hörte ich ein Geräusch und blickte neben mich.

Ein Fensterputzer zog sich mit seiner Plattform neben mir hoch. Er pfiff eine Melodie, die nur so vor guter Laune triefte. Auch das noch…Unsere Blicke trafen sich. Seine Augen waren himmelblau.
Himmel, das war das Stichwort…Im Himmel wollte ich nun auch sein…

„Wollen Sie nicht…“, sagte die fröhliche Stimme von der Plattform. Ich zuckte zusammen, hatte er meine Gedanken gelesen?„Ehrlich das wollen Sie nicht…“, sagte er wieder. Ich merkte wie Wut in mir aufstieg und Tränen in meinen Augen. „Was wissen Sie schon? Ich habe gute Gründe.“

„Sind Sie wirklich so egoistisch und feige?“ Ich war langsam genervt…Was hatte das denn mit Egoismus zu tun? „Ich ? Ich bin wohl eher das Gegenteil…schließlich tue ich das der Welt zuliebe, damit ich nicht mehr im Weg bin.“ Er sah mich ungläubig an :“Aber wenn Sie hier im Weg sind warum wollen Sie dann im Himmel im Weg sein ? Glauben Sie wirklich, dass es im Himmel besser ist? Außerdem es ist vielleicht leicht für Sie zu springen, aber glauben Sie für mich ist es leicht den Selbstmord einer Schönheit wie Ihnen zu vergessen?“

Ich blickte in sein Gesicht. Er meinte es ernst. Langsam kam ich ins Grübeln. Mensch, was wollte er denn von mir? Ich wollte doch einfach nur tot sein und jetzt…jetzt hatte ich ein schlechtes Gewissen.

Sollte ich nun springen?

Der Tod ist leicht, das Leben schwer. Doch ist Sterben nicht egoistisch? 

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