Wie ich so tolerant geworden bin…

Ich habe mich sehr lange gefragt, wie zwei Menschen, die nahezu dieselbe Sozialisierung erfahren haben, so unterschiedlich werden können. Mein Bruder und ich kamen als Kinder eigentlich immer gut klar…spielten Cowboy oder mit Playmobil/Lego; hin und wieder auch mit meinen Barbies oder meiner Babyborn…machten Wanderungen durch den Bach mit meinen Cousins und später verbrachten wir Wochenenden damit Age of Empires oder GTA2 auf dem Computer zu zocken.

Während seiner Pubertät wurde mein Bruder dann doch irgendwie eher ein Idiot…hörte Deutschrap und baute ziemlichen Scheiß. Während ich auf CSDs mitdemonstrierte, beschimpfte mein Bruder Leute als Schwuchteln. Kurzum: Wir lebten in zwei verschiedenen Welten.

Keine Ahnung, was mein Bruder über mich dachte…wahrscheinlich nichts unbedingt positives…ehrlich gesagt war es mir auch einfach egal…

Tja, und dann kam er eines Abends in unserer Stammkneipe in unserer Heimatstadt zu mir und einem Freund von mir. “Ich war ja echt immer intolerant gegenüber Homos…”, dabei blickte er zu meinem Kumpel. “Aber als die Mäx gesagt hat, dass mein bester Freund ausm Kindergarten schwul ist und ich den und seinen Freund kennengelernt habe, hab ich eingesehen, dass ihr doch ziemlich normal seid.”

Klar, vielleicht ist sein Vokabular nicht so sensibel, wie das von so manch anderen, aber ich war ziemlich stolz auf ihn. Das ist wieder einmal eine Situation, die mir gezeigt hat das Sichtbarkeit und Offenheit zu Toleranz führen kann. Natürlich ist es schwer sich grade in konservativeren oder homophoben Strukturen nicht zu verstecken, aber ich wünsche jedem, dass er Menschen findet, die ihm dabei helfen sich selber zu lieben! Und das gilt nicht nur für Homosexualität, sondern für alle Dinge, die vielleicht auf den ersten Blick ins Bild passen…Heutzutage entscheidet man so vieles auf den ersten Blick und steckt es in Schubladen…aber lasst uns aus den Schubladen anderer Leute klettern und uns eine eigene bauen…die Schublade “Mensch”.

Kommentar verfassen