Begeisterung

Ey, hast du mal Feuer für mich?
Feuer. Ein warmes Kaminfeuer im Winter, eine Kerze beim
Grillabend oder ein Meer aus Teelichtern.
Für etwas brennen

Begeistert sein
Für Freunde, den oder die Partnerin, für Musik, Tanz,
Theater, Gott.
Wofür brenne ich?

Und was ist der Unterschied zwischen Interesse und
Begeisterung?
Für irgendetwas interessiert sich doch jeder Mensch, aber
warum gerate ich dann ins Stocken und Überlegen, wenn mich jemand fragt, was
meine Hobbys sind.
Kaffee trinken mit Freunden, Tanzen gehen im Club, lange
Strandspaziergänge am Meer…

Was mich wirklich begeistert sind Menschen.

Das klingt als sei ich ein Stalker und würde durch Fenster
Menschen dabei zuschauen wie sie Essen und Fernsehen.
Nein, Menschen begeistern mich, wenn sie tun was sie
begeistert.

Wenn meine beste Freundin in mitten eines Orchesters sitzt
und sich vollkommen in die Musik versenkt.
Wenn mir ein Freund von seinem Linguistikstudium erzählt und
davon, wie andere Sprachen funktionieren.
Wenn ich dabei zu schauen kann, wie Menschen die Welt um
sich herum vergessen und in ihrer ganz eigenen Welt sind.

Und genauso versenke ich mich ins Schreiben und versuche
genau diese Geschichten von Begeisterung zu erzählen.
Und vielleicht fange ich dabei selber auch Feuer.

Ey, hast du mal Feuer für mich?

Zeig mir was dich begeistert, erzähl mir davon und entzünde
in mir Begeisterung für dich.

So wie ich anderen von meinem Studium und Leben erzähle.
Von meinem Job an der Kasse der Party des Schwulenreferats.
Nicht, dass stempeln begeistert mich daran, sondern die Menschen, die man
trifft.
Vom Paradiesvogel bis zum grauen Mäuschen.
Von sehr netten Menschen bis hin zu kompletten Vollidioten.

So wie ich begeistert von meinem Theologiestudium spreche
und mich deshalb auch auf jedes Partygespräch mit Diskussion über Kirche und
Glauben einlasse.

Ich brenne, wenn ich Gottesdienst halte, wenn ich Menschen
erzählen kann, wie ich glaube.
Wenn ich in Menschen ein Feuer entfachen kann.

Denn wenn die Seele aus dem Feuer springt und wir nichts
mehr haben, wofür wir brennen
Dann sind wir wie tot.
Wie die Zombies aus The Walking Dead.
Dann gehen wir durchs Leben, aber wir schauen nicht genau
hin.
Wir leben nicht, sondern vegetieren.

Und in solchen Phasen muss man wohl wirklich hin und wieder
jemanden fragen.

Ey hast du mal Feuer für mich, denn ich habe meins wohl
gerade verloren.

Hilf mir mich wieder für etwas zu begeistern.
Zeig mir die Dinge im Leben, die mich aus meinem Wachkoma
reißen.

Ey, hast du mal Feuer für mich?

Das ist für mich auch Glauben.
Egal ob an Gott, Zufall, Schicksal, Wissenschaft oder das
fliegende Spaghettimonster.
Glauben entfacht Feuer.
Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin
ich mitten unter ihnen.

Da entfachen Gespräche Feuer und das Licht der Welt ist
mitten unter ihnen.
Da ist Wärme und da ist Geborgenheit.
Da ist Heimat und da ist Lebendigkeit.

Ey, hast du mal Feuer für mich?

Gott will uns begeistern jeden Tag aufs Neue.
Er begeistert uns durch unsere Leidenschaften.
Er begeistert uns durch seine Schöpfung.
Durch alle Menschen, die für etwas brennen und begeistert
sind.
Und Gott brennt für uns. Er hat uns wunderbar gemacht und
ein Feuer in uns erzündet.
Deswegen sollten wir aufhören immer nur interessiert zu sein,
sondern uns hin und wieder auch trauen begeistert von etwas zu sein.

Wenn mich also mal wieder jemand fragt: Ey, hast du mal Feuer für mich?

Dann kann ich nur antworten: Ja klar, denn ich brenne für dich.

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